Überregionale Meldung

Kreislaufwirtschaft und Energiewende in der beruflichen Bildung

Zwei Personen schauen sich Muster von nachhaltigen Baustoffen an, mehrere Personen stehen im hintergrund.
© BIBB

Neues Förderprogramm „Nachhaltig im Beruf“ erfolgreich gestartet

17 Vorhaben sind bis April 2026 in der bis dato größten Förderperiode des Programms „Nachhaltig im Beruf“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gestartet. Fachlich gelenkt wird das Programm vom Bundesinstitut für Berufsbildung – und das Netzwerk Grüne Arbeitswelt unterstützt über seine Zentrale im Wissenschaftsladen Bonn die Förderlinie im Rahmen eines größeren Begleitprojekts.

Seit seiner Etablierung vor knapp zehn Jahren hat sich das Netzwerk Grüne Arbeitswelt (NGA) immer darum bemüht, eine möglichst breite Allianz all derjenigen Akteurinnen und Akteure zusammenzubringen, die sich mit der Frage beschäftigen, was man in Ausbildung und Arbeit besser und anders machen müsste, um auf die ökologische Transformation zu reagieren. Denn keine Einrichtung, ob nun mit unternehmerischem, verbandlichem, öffentlichem, wissenschaftlichem oder zivilgesellschaftlichem Hintergrund, kann die notwendigen Veränderungsprozesse allein auf den Weg bringen. Hierfür braucht es lokale, regionale und bundesweite Allianzen mit innovativen Ansätzen, Bodenhaftung und langem Atem. Und mit einer vernünftigen Finanzierung, denn eine Idee ist meistens nur dann umsetzbar, wenn sie von materiellen Ressourcen gestützt wird.

Zu den größeren Fischen in diesem Teich zählt zweifellos das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), in dem u.a. die Fäden der klassischen Berufsordnungsarbeit mit denen der Aus- und Weiterbildungspraxis zusammenlaufen. Nicht ohne Grund hatte das Netzwerk den langjährigen Präsidenten des BIBB, Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, bei der jüngsten Jahreskonferenz des Netzwerks in Dortmund um ein Grußwort gebeten. Und wenn der BIBB-Präsident bei dieser Gelegenheit die Notwendigkeit vernetzter Ansätze für die Transformation von Arbeitsmarkt und Berufsbildung betonte, dann hatte er vermutlich nicht nur das Netzwerk Grüne Arbeitswelt vor Augen, sondern auch seine Kolleginnen und Kollegen aus dem eigenen Haus. Denn speziell mit Blick auf den Anschub von Innovationen in der Berufsbildung legt das BIBB größten Wert auf den Dialog der unterschiedlichen (und manchmal auch scheinbar unversöhnlichen) Akteure.

Förderung von Transformationsprojekten

Wenn nun also in einer längeren Fördergeschichte von nachhaltigkeitsbezogenen Modellversuchen und Transferprogrammen aktuell das Programm „Nachhaltig im Beruf“ (NIB) mit insgesamt 17 sog. „Transformationsprojekten“ an den Start gegangen ist, dann stehen diese meist dreijährigen Vorhaben in einer längeren Tradition von öffentlichen Mitteln für transformationsfördernde Handlungsansätze in der Berufsbildung. Denn wie sonst lassen sich Fachkräfte vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen fit für die Herausforderungen der ökologischen und digitalen Transformation machen, wenn nicht durch neue Angebote im Bereich der Aus- und Weiterbildung? Oder, mit den Worten des BIBB: „Durch Berufsbildung werden Fachkräfte zu Pionieren, Ausbilderinnen und Ausbilder zu Multiplikatoren und Unternehmen zu Orten der nachhaltigen Transformation.“ Hinterlegt ist das Programm mit knapp 16 Mio. Euro, die aus dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und dem ESF Plus kommen. Ziel ist es, innovative Qualifizierungsansätze der beruflichen Bildung zu entwickeln, zu erproben und zu initiieren, um vornehmlich kleine und mittelständische Unternehmen bei der Transformation zu unterstützen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Fragen der Kreislaufwirtschaft und der Energiewende.

Schnittstellen zum Netzwerk grüne Arbeitswelt

Es liegt also auf der Hand, dass viele dieser Projekte für Mitglieder des Netzwerk Grüne Arbeitswelt interessant sein dürften – schon allein, weil einige der Vorhaben auch von Netzwerkmitgliedern wie B.A.U.M. e.V. oder dem Institut für Ingenieurpädagogik und Didaktik der technischen Bildung der Universität Magdeburg verantwortet werden. Das gilt aber auch umgekehrt, denn die aktuell laufenden Förderprojekte können von den engagierten Mitgliedern im Netzwerk lernen. Alle NGA-Mitglieder sind in ihrem jeweiligen beruflichen Einsatzgebiet Expertinnen und Experten und verstehen sich allesamt als Promotor*innen der grünen Fachkräftefrage. Und deshalb hat sich eine ungewöhnliche Allianz zusammengetan, um die Anliegen der 17 Transformationsprojekte im NIB-Programm mit den Möglichkeiten des Netzwerk Grüne Arbeitswelt zu verbinden. Üblicherweise werden die Programmlinien des BIBB im Nachhaltigkeitsbereich von einem wissenschaftlichen Forschungsvorhaben begleitet, das aus den Projekten Ergebnisse und Fragen für die akademische BBNE-Szene destilliert. Das BIBB verfolgte in diesem Fall einen erweiterten Ansatz, der neben der klassischen wissenschaftlichen Begleitforschung auch die konkrete Unterstützung und Vernetzung der geförderten Projekte umfasste. Deshalb haben sich zwei namhafte Hochschulen – nämlich die Technische Universität Hamburg und die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – mit dem Wissenschaftsladen Bonn – und damit der Zentrale des Netzwerk Grüne Arbeitswelt – zu einem Metavorhaben zusammengeschlossen, das sowohl die Herausforderungen der Transformation für die Berufsbildung analysiert als auch die Förderprojekte mit anderen Akteuren der grünen Arbeitswelt verbindet.

Das Netzwerk Grüne Arbeitswelt mit seinen Mitgliedern und seinen jahrelangen Erfahrungen mit fachlicher Vernetzung und kollegialem Austausch bildet also künftig eine wichtige Schnittstelle zwischen dem NIB-Programm des BIBB und den unterschiedlichen Fachleuten der ökologischen Transformation des Arbeitsmarkts. Und deshalb liegt der Schluss nahe, die hinlänglich bekannte Struktur des Themenportals Grüne Arbeitswelt um die neue Rubrik „Nachhaltig im Beruf“ zu erweitern. Ab sofort werden die Mitglieder und Interessent*innen unseres Netzwerks vermehrt Informationen aus dem NIB-Programm bekommen. Parallel dazu wird die NGA-Zentrale immer wieder versuchen, den Dialog zwischen den Mitgliedern und den Förderprojekten des NIB-Programms anzuschieben – ob in analogen oder digitalen Veranstaltungen, im Hintergrund durch gezielte Kontaktarbeit oder durch Content auf den Social-Media-Kanälen Instagram und LinkedIn. Zusätzlich dazu wird man künftig die Stimme des Netzwerks auch häufiger und lauter auf dem offiziellen LinkedIn-Kanal der BBNE-Szene wahrnehmen.

Zu guter Letzt: Wer künftig Gesprächsbedarf rund um das Programm „Nachhaltig im Beruf“ hat und nicht gleich bei den Fachleuten aus dem BIBB anklopfen will, kann auch gerne auf unsere montägliche Netzwerk-Hotline zurückgreifen. Vielleicht sind die Hürden innerhalb eines gemeinsamen Netzwerks etwas niedriger, und ein Anliegen auch zum NIB-Programm etwas leichter und formloser zu besprechen.

Das Projekt „TRANS³ – Metavorhaben zur Unterstützung der sozial-ökologischen Transformation in KMU“ wird im Rahmen des Programms „Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
www.nachhaltig-im-beruf.de