Überregionale Meldung

Ausbildungsberufe der Bauwirtschaft neu aufgestellt

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Ausbau, Hochbau, Tiefbau – Modernisierung auf allen Ebenen

In einem der größten Neuordnungsprojekte der vergangenen Jahre wurden die Ausbildungsberufe in der Bauwirtschaft umfassend modernisiert. Wesentlicher Bestandteil dabei ist die Implementierung ökologischer Themen aus den Bereichen Wärmedämmung, Energieeffizienz und Bauen im Bestand.

Mit einem mehrjährigen Vorlauf treten zum 1. August 2026 endgültig 19 neue Ausbildungsordnungen in der Bauwirtschaft in Kraft. Bereits im Juni 2024 war eine entsprechende Verordnung im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden, zuvor gab es eine mehrjährige Vorbereitungsphase u.a. zur praktischen Aufnahme zukunftsrelevanter Inhalte aus den Bereichen Umwelt- und Verbraucherschutz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Die neuen Ausbildungsordnungen wurden gemeinsam mit den zuständigen Bundesministerien, den Sozialpartnern und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag der Bundesregierung erarbeitet. Betroffen sind insgesamt 16 dreijährige und drei zweijährige Ausbildungen aus den Bereichen Ausbau, Hochbau und Tiefbau.

 

 

Wesentliche neue Elemente der modernisierten Ausbildungsinhalte finden sich beim Bauen im Bestand, in Energieeffizienzmaßnahmen sowie auf materialoffenen Formulierungen, die den Einsatz nachhaltiger Baustoffe fördern sollen. Damit wurden wichtige Themen bei der Neuordnung aufgegriffen. Wärmedämmung gab es als Thema natürlich auch schon vorher, nun wird aber dieser Inhalt auch zu umfassenden Energieeffizienzmaßnahmen weiterentwickelt. Das Thema Bauen im Bestand hingegen ist neu – weniger für die Bauwirtschaft als vielmehr für die Ausbildungsordnungen, in denen es nun über alle drei Ausbildungsjahre verankert ist. Nachhaltigkeitsaspekte finden sich zudem in Planung, Baustelleneinrichtung, Materialwahl, Maschineneinsatz und Qualitätseinsatz wieder. Und natürlich stand die Novellierung auch mit Blick auf die Digitalisierung an, denn beispielsweise verändern BIM-Ansätze (Building Information Modelling) die Arbeitswelt erheblich. Die sich hieraus ergebenden neuen Kompetenzanforderungen an Azubis und Fachkräfte – z.B. beim Lesen digitaler Pläne – sind nun fester Bestandteil der einschlägigen Ausbildungen.

 

Der Klimawandel stellt eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit dar. Die Modernisierung der Bauwirtschaftsberufe leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit und zum Klimaschutz. Gut ausgebildete Fachkräfte sind entscheidend, um Ressourcen effizient einzusetzen, Gebäude energetisch zu optimieren, den Gebäudebestand zu modernisieren und die Infrastruktur für Mobilität und Versorgung nachhaltig zu gestalten. Die modernisierten Ausbildungsberufe sind daher besonders auch für junge Menschen attraktiv, die sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit engagieren möchten.

Friedrich Hubert Esser, Präsident des BIBB

Die modernisierten Ausbildungsordnungen sowie die darauf abgestimmten Rahmenlehrpläne der Kultusministerkonferenz (KMK) für den schulischen Teil der dualen Ausbildung lösen die bestehenden Regelungen aus dem Jahr 1999 ab. Eine aktuelle Publikation zum Modernisierungsverfahren erläutert den Prozess und die Hintergründe der Neuordnung. Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat gemeinsam mit dem Zentralverband Deutsches Baugewerbe ein umfangreiches Dossier zum Thema veröffentlicht und bietet in 2026 mehrere digitale Informationsabende zur Neuordnung der Bauberufe an.

Im Zuge der Implementierung plant das BIBB umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen. Die Strukturen und Inhalte werden in 16 Umsetzungshilfen „Ausbildung gestalten“ erläutert. Darüber hinaus werden zentrale Themen im BIBB-Portal für Ausbildungs- und Prüfungspersonal „Leando“ aufbereitet.