Neuigkeiten von NGA-Mitgliedern

Mission K

Mehrere Frauen sitzen vor einem Bildschirm mit Kacheln von einer Onlinekonferenz
© LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit e.V.

Digitale Akademie für Klima- und Katastrophenschutz

Der erste 12-wöchige Kurs „Mission K“ bei LIFE e.V. zeigte: Hochqualifizierte Frauen mit Migrationsgeschichte haben viel zu bieten – doch berufliche Chancen bleiben oft unsichtbar. Alle 30 Teilnehmerinnen schlossen im Juli erfolgreich ab. Kurs 2 startet am 31. August 2026, bis 2028 folgen fünf weitere. Ein Format, das globales Wissen, Erfahrungen, Netzwerke und nachhaltige Perspektiven verbindet und das Brücken baut – zwischen Qualifikation und Beruf, zwischen Herkunft und Zukunft.

Gastbeitrag: Dagmar Laube, LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit e.V.

Wissen und Vielfalt für den Klimaschutz

Die Digitale Akademie für zugewanderte Frauen – „Mission K“ – verbindet zwei drängende gesellschaftliche Herausforderungen: die berufliche Integration hochqualifizierter Migrantinnen und die Frage, wie Deutschland resilienter auf Klimawandel und gesellschaftliche Umbrüche reagieren kann. Das Projekt zeigt, dass nachhaltige Entwicklung nicht nur eine technische oder ökologische Aufgabe ist, sondern auch eine soziale. Denn wer Klimaschutz und Katastrophenvorsorge gestalten will, braucht nicht nur Fachwissen, sondern auch Perspektiven, die über nationale Grenzen hinausgehen.

Teilnehmerinnen und ihre Hintergründe

30 Frauen aus verschiedenen Herkunftsländern nahmen am Pilotkurs teil. Die Hälfte kam aus der Ukraine, die anderen aus weiteren Ländern. Bundesweit waren Teilnehmerinnen aus Berlin, Sachsen, Bayern und Hamburg vertreten. Diese Streuung ist Teil des Konzepts: Die Akademie ist als digitale Plattform angelegt, die geografische Barrieren abbaut und Frauen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands zusammenbringt.

Die Teilnehmerinnen brachten interdisziplinäre Abschlüsse mit: Naturwissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen, Juristinnen, Sozial- und Geisteswissenschaftlerinnen. Einige hatten Vorerfahrungen in Klimaschutz oder Katastrophenmanagement, andere kamen aus völlig anderen Feldern wie Kunst, Pädagogik oder Wirtschaft. Entscheidend war nicht das Vorwissen, sondern die Bereitschaft, sich in neue Themen einzuarbeiten und die eigenen Kompetenzen in einen größeren Kontext zu stellen.

Lernen im Austausch

Das Programm setzt auf kollegialen Austausch: In moderierten Formaten, Praxisworkshops und Mentoring-Phasen entstehen Synergien. Eine Teilnehmerin mit juristischem Hintergrund brachte ihr Wissen zu Umwelt- und Planungsrecht ein, eine Ingenieurin teilte Erfahrungen mit der Sanierung von Gebäuden nach Kriegszerstörungen. Eine Pädagogin entwickelte Ideen für Klimabildung in Schulen.

Ein zentrales Element ist die Vernetzung mit Arbeitgebern und Praxispartnern. Im Laufe des Kurses lernten die Teilnehmerinnen Unternehmen, NGOs und öffentliche Einrichtungen kennen, die nach Fachkräften mit diesen Kompetenzen suchen. Viele der Frauen verfügen über Fähigkeiten, die in Deutschland dringend gebraucht werden – etwa in der Anpassung an den Klimawandel, der Risikokommunikation oder der Entwicklung klimaneutraler Infrastruktur.

Expertise und Role Models

Für einige Fachthemen des Kurses holt sich das Team Unterstützung durch externe Dozierende als Unterstützung. So konnte für das Modul Katastrophenschutz die Hilfsorganisation CADUS gewonnen werden und im Modul Klimaschutz kommen z.B. Mitarbeiter*innen des Wuppertal Instituts, des Umweltbundesamtes und von NourEnergy e.V. zum Einsatz. Alle Dozierenden berichten auch über ihre eigenen oft nicht geradlinigen Berufsbiografien, stellen die grüne, nachhaltige Arbeitswelt vor und zeigen offene Türen – auch für Quereinstiege.

Mehr als ein Zertifikat: Botschafterinnen für Nachhaltigkeit

Am Ende des Kurses erhalten die Teilnehmerinnen nicht nur ein Zertifikat, sondern auch eine neue Rolle: die der Botschafterinnen für Klima- und Katastrophenschutz. Diese Funktion geht über die individuelle Qualifizierung hinaus. Die Absolventinnen sollen ihr Wissen in ihre Communities, zukünftigen Unternehmen oder lokale Initiativen tragen und so Multiplikatorinnen für nachhaltiges Handeln werden.

Ein Modell mit Signalwirkung – und seinen Grenzen

„Mission K“ zeigt, wie Integration gelingen kann: durch gezielte Weiterbildung, durch den Abbau von Hürden – und durch die Anerkennung dessen, was Migrantinnen bereits mitbringen. Ein weiterer Baustein ist das Empowerment. Viele der Frauen haben Diskriminierung oder strukturelle Benachteiligung erfahren. Im Kurs wird Raum für Themen wie Selbstwirksamkeit, Verhandlungsführung oder den Umgang mit Widerständen im Berufsleben geschaffen. Ziel ist es, nicht nur Fachwissen, sondern auch das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit zu stärken.

Doch das Projekt kann die strukturellen Hürden auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht allein überwinden. Viele Unternehmen entscheiden nach wie vor nach Sprachkenntnissen, formalen Erfahrungen, Herkunft oder Geschlecht, statt nach Potenzial und Vielfalt zu suchen. „Mission K“ stärkt die Teilnehmerinnen in ihren Kompetenzen und Netzwerken – doch der Weg in den Arbeitsmarkt bleibt für viele eine Herausforderung. Dennoch leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag: Es schafft Vorbilder, zeigt Alternativen auf und macht sichtbar, was möglich wäre, wenn Vielfalt nicht als Hindernis, sondern als Ressource betrachtet würde.

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

Nach dem Erfolg des ersten Kurses startet im August 2026 der zweite. 2027 und 2028 sind noch fünf weitere Kurse geplant. Interessierte Frauen mit Migrationshintergrund und Interesse an Klima- und Katastrophenschutz können sich bewerben. Die Akademie sucht zudem Praxispartner aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die bereit sind, mit den Absolventinnen zusammenzuarbeiten.

Denn eines ist klar: Die Herausforderungen der Zukunft – ob Klimakrise, Extremwetter oder soziale Spaltung – lassen sich nur gemeinsam bewältigen. Projekte wie „Mission K“ sind ein Schritt in diese Richtung. Sie zeigen, dass nachhaltiger Wandel nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Haltung ist.

„Misson K – Digitale Akademie zu Klima- und Katastrophenschutz“

für Frauen mit Migrationsgeschichte und ausländischer Qualifikation
Mehr erfahren

Kursinhalte:
Die 12-wöchigen Kurse vermitteln praktisch anwendbares Fachwissen in Klimaschutz, Katastrophenschutz und Green Economy. Ziel ist die Qualifizierung von Frauen mit ausländischen Abschlüssen für berufliche Tätigkeiten in ökologisch nachhaltigen Bereichen – ein wachsender Markt mit hohem Fachkräftebedarf.

Zielgruppe:
Frauen mit Migrationshintergrund und ausländischen Berufs- oder Studienabschlüssen, die sich beruflich für Klima- und Katastrophenschutz stark machen möchten.

Angebot:

  • Qualifizierung passend zum ausländischen Berufs- oder Studienabschluss
  • Interkulturelle Lerngruppen für Frauen mit Migrationshintergrund
  • Gruppencoaching & Mentoring für den Berufseinstieg

Zeiten 2026-2028:
Kurs 2: 31.08. – 20.11.2026
Kurs 3: 11.01. – 02.04.2027
Kurs 4: 10.05. – 30.07.2027
Kurs 5: 27.09. – 17.12.2027
Kurs 6: 13.03. – 02.06.2028
Kurs 7: 14.08. – 03.11.2028

Kontakt: mission-k@life-online.de | 030 30879819

Das Projekt „Mission K“ von LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit wird im Rahmen des Förderprogramms IQ „Integration durch Qualifizierung“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge administriert. Partner in der Umsetzung sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Bundesagentur für Arbeit. Das Angebot ist ein Teilprojekt im Regionalen Integrationsnetzwerk für Internationale Fachkräfte Berlin.