Geschichten aus der Arbeitswelt

Vom Fahrrad-Tüftler zum Unternehmer

Ein Fahrradmechaniker erklärt ein Rad eines Fahrrades.
© Hase Bikes GmbH

Wie aus einem Hobby eine erfolgreiche Firma wurde

Die Geschichte von Marec Hase zeigt, dass beruflicher Erfolg oft dort beginnt, wo persönliches Interesse auf praktische Erfahrungen trifft. Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Gründergeschichte lautet vielleicht: Große Ideen entstehen selten am Reißbrett. Oft beginnen sie mit einer einfachen Frage, einem Hobby oder dem Wunsch, ein Problem zu lösen. Genau daraus kann etwas entstehen, das nicht nur den eigenen Berufsweg prägt, sondern auch das Leben vieler anderer Menschen verbessert.

Gastbeitrag von Hase Bikes

Wie aus einer Leidenschaft für Fahrräder alles begann

Wer an nachhaltige Mobilität und innovative Fahrräder denkt, stößt schnell auf Hase Bikes aus Waltrop. Doch die Erfolgsgeschichte beginnt ganz unscheinbar, mit einem Jugendlichen, der einfach gern tüftelt.
Marec Hase baut schon früh eigene Fahrräder aus alten Teilen zusammen. Für ihn war das zunächst nichts Besonderes. Rückblickend sagt er:

Da ich in die Fahrradmaterie so langsam hineingewachsen bin, hatte ich nicht das Gefühl, etwas Besonderes geleistet zu haben. Es ist einfach sein Hobby, eine „Spielerei“.

Eine Idee, die alles verändert

Den entscheidenden Impuls gibt seine Mutter. Sie schlägt die Teilnahme am Wettbewerb „Jugend forscht“ vor. Marec ist zunächst skeptisch: Das ist doch nur ein Fahrrad. Ich bin doch kein Jungforscher!
Trotzdem macht er mit – und hat Erfolg. Marecs Erfindung: ein Liegerad mit zwei Sitzen nebeneinander. Entwickelt für eine Radtour mit einem blinden Freund. Anders als auf einem herkömmlichen Tandem können beide nebeneinandersitzen, sich unterhalten und die Fahrt gemeinsam erleben. Marec beschreibt die Landschaft, sein Freund spürt den Fahrtwind und nimmt die Umgebung auf seine Weise wahr. Diese Idee überzeugt auch die Jury. 1989 gewinnt Marec Hase den Landeswettbewerb „Jugend forscht“ in Nordrhein-Westfalen.

Wie „Jugend forscht“ den Berufsweg beeinflusste

Doch er bleibt nicht bei diesem einen Erfolg. 1990 nimmt er erneut teil. Diesmal mit einem faltbaren Liegerad, einer Weiterentwicklung seines ersten Modells, und erreicht den zweiten Platz. Zwei Jahre später präsentiert er dort ein weiteres Modell: zwei gekoppelte Liegeräder.
Wichtiger als die Preise sind für ihn jedoch die Gespräche mit Fachleuten und anderen Teilnehmenden. Das Feedback motiviert ihn, seine Ideen weiterzuentwickeln.

Die Teilnahme an dem Wettbewerb hat mich angespornt, mein Hobby weiter zu vertiefen.

Genau hier beginnt etwas, das viele Schüler:innen kennen: Aus einem Interesse wird ein möglicher Berufsweg.

Ausbildung und dann die eigene Firma

Nach der Schule und dem Zivildienst macht Marec Hase eine Ausbildung zum Feinmechaniker. Die praktische Arbeit begeistert ihn so sehr, dass er 1994 die Firma „Hase-Spezialräder“ in der Garage seiner Eltern gründet.
Ein mutiger Schritt mit Anfang 20.

Vielleicht gehört auch ein bisschen jugendliche Unbekümmertheit dazu, so etwas Neues zu machen.

Um für das wachsende Unternehmen wertvolles Wissen zu erlangen, absolviert er während der Selbstständigkeit ein Maschinenbau-Studium. Gerade der Austausch mit den Professor*innen hat seine Arbeit in vielerlei Hinsicht bis heute geprägt. Und so entwickelt sich aus der kleinen Werkstatt Schritt für Schritt ein erfolgreiches Unternehmen.

Vom Garagenprojekt zum internationalen Fahrradhersteller

2001 zieht Hase Bikes um in eine ehemalige Zechenhalle in Waltrop – ein großer Schritt und ein echtes Risiko. „Das war schon ein Wagnis“, erinnert sich Marec. Aus der kleinen Firma ist inzwischen eine moderne Fahrradmanufaktur mit mehr als 100 Mitarbeitenden geworden. Jährlich werden rund 3.000 Fahrräder produziert und weltweit verkauft.
Das Besondere: Hase Bikes baut nicht einfach Fahrräder. Das Unternehmen entwickelt gezielt innovative Mobilitätslösungen für verschiedene Bedürfnisse. Die Dreiräder und Tandems ermöglichen vor allem Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Behinderungen und älteren Menschen weiterhin sicher und komfortabel Fahrrad zu fahren. Damit bleibt das Unternehmen Marecs ursprünglicher Idee treu: Mobilität soll für alle zugänglich sein.
Die neueste Ergänzung, das Kettwiesel TWO, ist die Weiterentwicklung der Idee, mit der Marec Hase bereits bei „Jugend forscht“ erfolgreich war. Zwei Personen sitzen nebeneinander statt hintereinander. Gesteuert wird das Dreirad von einer Person, während die zweite Person nach ihren eigenen Möglichkeiten mittreten oder sich einfach mitnehmen lassen kann. So können z.B. Menschen mit Sehbeeinträchtigungen und Paare mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen ein gemeinsames Erlebnis teilen.

Technik braucht Vielfalt

Auch im Arbeitsalltag setzt Hase Bikes auf Inklusion. Jede*r ist willkommen. Unterschiedliche Fähigkeiten, Perspektiven und Erfahrungen werden wertgeschätzt und als ein echter Vorteil gesehen – für das Team und für die Innovation.
In der Produktion arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen. Arbeitsplätze werden angepasst und Aufgaben individuell verteilt, sodass jede Person ihre Stärken einbringen kann.
Gerade für Schüler*innen ist das eine wichtige Botschaft:

Technische Berufe sind nicht nur etwas für Menschen mit perfekten Noten oder geradlinigen Lebensläufen. Gefragt sind vor allem Neugier, Kreativität, Teamarbeit und die Bereitschaft, Probleme zu lösen.

Was Jugendliche aus der Geschichte von Hase Bikes für die eigene Berufswahl lernen können

  • Nimm deine Hobbys und Interessen ernst – daraus können Berufe entstehen.
  • Probiere Wettbewerbe, Projekte oder Praktika aus, um neue Erfahrungen zu sammeln.
  • Hab keine Angst vor ungewöhnlichen Ideen.
  • Eine Ausbildung kann genauso erfolgreich zum Ziel führen wie ein Studium.
  • Technik bedeutet mehr als Maschinen bauen: Sie kann das Leben von Menschen verbessern.

Interesse an einer Ausbildung?

Hase Bikes bietet jungen Menschen vielfältige Möglichkeiten, die Arbeitswelt eines nachhaltigen Industrieunternehmens kennenzulernen und aktiv mitzugestalten. Im Rahmen von Praktika erhalten Interessierte Einblicke in technische, handwerkliche und kaufmännische Tätigkeitsfelder und lernen das Unternehmen am denkmalgeschützten Standort der Zeche Waltrop kennen. Darüber hinaus engagiert sich Hase Bikes beim zdi-Technikzentrum an der Gesamtschule Waltrop. Dort vermitteln Auszubildende im Peer-Learning praxisnahe Einblicke in die Ausbildungsberufe. In Workshops sammeln Schüler*innen erste praktische Erfahrungen, etwa beim Bedienen von Zerspanungsmaschinen oder bei der Fahrradwartung.

Job- und Berufsorientierungsangebote

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